Mein klares Like: Salzeffekte bei Seidenmalerei

salzeffekt-seidenmalerei

Seidentuch auf den Rahmen spannen, Vorlage mit Ghoststift aufmalen, Farbe drauf, fertig?

Nein, so einfach ist das bei mir wirklich nicht. Am Beispiel des Buchstaben „J“ des Flaggenalphabets aus Seefahrt und Wassersport möchte ich den heutigen Feiertag nutzen um Dir zu berichten, wie ich inspiriert werde und wie ich diese Idee dann künstlerisch umsetze. Dabei werden auch die Salzeffekte in der Seidenmalerei thematisiert.

Die Idee ist es das Layout des Buchstaben „J“ aus dem Flaggenalphabet in ein Seidentuch zu verwandeln. Die Grafik für diesen Buchstaben sieht im Lehrbuch wie folgt aus:

flaggenalphabet-buchstabe-j

Wenn ich diese Grafik 1:1 umsetzen wollte, dann müsste ich mir einen Siebdruckrahmen, Rakel und Farben zulegen. Oder diese Grafik einfach drucken lassen. Doch dies ist niemals meine Absicht. Mich begeistern die klaren Farben, die in den Flaggenbmotiven verwendet werden. Es sind nahezu die gleichen Farben, die die damaligen Bauhaus-Künstler auch verwendet haben oder manche vielleicht noch verwenden.

Nun zu meiner Vorgehensweise: Das Seidentuch (90x90cm) wird auf den Rahmen gespannt, die ungefähren Maße des Motivs mit Ghoststift markiert.

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Dann fülle ich die von mir geschätzte Menge Farbe in eine Schale, die sich gut greifen lässt.. Diese ist am rechten Bildrand zu sehen. Den farbauftrag beginne ich zuerst an den Rändern des Seidentuchs. Der Rand muss (meine Meinung) gut durchtränkt sein. Von da aus arbeite ich mich nach innen.

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Ich brauche zwei blaue und in der Mitte ein weißes Feld.

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Oben auf dem Foto sieht es noch aus wie missglückter Siebdruck. Ich möchte aber keineswegs eine realistische Darstellung, sondern ich möchte, dass sich etwas bewegt auf dem Tuch. Schließlich stammt das Motiv aus der Seefahrt und die Meere sind immer in Wallung. Aus diesem Grund sprühe ich mit meiner Blumenspritze an den inneren Farbübergängen den Stoff nass. Hier bei diesem Tuch immer von Blau nach Weiß.

Dann streue ich herkömmliche Kochsalz über die blauen Flächen und besprühe das Salz der besseren Reagenz wegen ebenfalls noch einmal mit der Blumenspritze.

Danach bewege ich den Rahmen, damit die nasse Farbe etwas ins Fließen kommt. Schließlich brauche ich nicht genau das Drittel Weiß aus der Originalgrafik. Doch bewege ich nur kurz, denn sonst liefe mir die Mitte mit Blau voll.

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Um das zu stoppen, stelle ich meinen Föhn auf heißeste Stufe ein, heben den Rahmen etwas an und föhne unter dem Tuch das verbliebene weiße Feld.

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Das stoppt den Farbfluss. Durch das Föhnen entstehen auch noch einmal interessante Effekte. Doch mir gefällt die Auswirkung des Salzes am besten. Deshalb folgt hier noch einmal das Titelbild dieses Posts.

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Tja: Das war meine Vormittagsaktion am Feiertag 1. Mai 2019. Wünsche Dir eine schöne Woche und schaue mal wieder hier vorbei. Es werden sieben Tücher zur neuen Kollektion gehören. Sobald diese fertig sind, kannst Du sie auf der Seidentücherseite sehen.