Buchrezensionen

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Texte gestrickt: Buchbesprechungen über Mode, Handarbeiten und Social Media

Sie stapeln sich überall zwischen Häkelnadeln und Maschenproben in meinem Kreativzimmer: meine gesammelten Bücher über Stricken, Häkeln, Nähen, Mode und DIY-Handarbeitshacks. Beim alphabetischen Einsortieren in meine Regale kam mir die Idee andere Interessierte an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Gerne mochte ich auch über meinen aus ihnen gezogenen Nutzen für mein Fashion-Label berichten. Doch wie könnte ich das denn am einfachsten anstellen?

Sekunden später lag mir die Antwort auf der Zunge: Ich schreibe einfach Rezensionen über ausgewählte Bücher. Über die, die mir den meisten Fortschritt gebracht habe und die, die mich und meine Fähigkeiten weiter entwickelt haben. Die Reihenfolge versuche ich möglichst chronologisch so wie ich damals angefangen habe: Stricken und Häkeln konnte ich bereits. Aber das Nähen war schon so lange her, dass ich meine Kenntnisse dringend auffrischen musste, bevor ich mich an die Gründung meines Labeln machen konnte.

 

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Fleißig, fokussiert und zielorientiert: Nur so geht Influencer

Du willst machen was Du liebst und möglichst viele teure Reisen gesponsert bekommen? Dann werde Influencer bei Instagramm, Youtube, Facebook oder mit einem Blog und alles geht wie von selbst? Stimmt das wirklich wie viele es behaupten? Ist es echt so einfach und er Erfolg kommt vom Himmel geflogen?

Die richtigen Antworten darauf gibt Marie Luise Ritter. Sie ist studierte Journalistin und seit Jahren erfolgreich im Bereich Social Media. Mit ihrem 234seitigen Buch „So wird man Influencer“ räumt sie mit diesem Irrglauben richtig auf. Sie weist detaillierte Wege in die Selbständigkeit in diesem beliebten Bereich, ergänzt diese durch Interviews erfolgreicher Blogger sowie ihre eigenen Erfahrungen und jeder Leser weiß bereits auf der ersten Textseite, dass es nicht mit schnellem Klick ´nd Post getan ist.

Ich zäume jetzt das Pferd einfach mal von hinten auf. Folgende Situation: Du hast mehrere Tausend Follower, weil deine Bilder einfach Klasse sind. Du hast vorher jahrelang bereits erfolgreich fotografiert oder Crashkurse belegt. Du kennst Dich richtig gut aus mit Bildbearbeitung, Videoschnitt und HTML. Deine Fotos sitzen und sind genau so aufgebaut, dass sie aus der täglichen Bilderflut herausstechen. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Du Andreas Feinigers Buch „Kompositionslehrer der Fotografie“ regelrecht gefressen hast. Deswegen hast Du ja die besagten Follower.

Deine Texte, die Du unter die Fotos schreibst, berühren die Leser, erzählen Geschichten, die keiner jemals vergessen kann und Deine journalistische Schreibe trifft Emotionen und Information auf den Punkt. Du reißt dadurch Deine Follower mit. Und was machen die? Sie schreiben Dir. Sie bedanken sich für Deine Worte, Deine geschilderten Erfahrungen, sie fragen Dich, wann Du in Ort xy bist, denn sie wollen sich mit Dir treffen, Dich kennen lernen. Und was machst Du? Du bist brav, willst ja Deine Follower pflegen und vor allem behalten. Deswegen antwortest Du ihnen. Und das möglichst rasch. Damit das schneller geht hast Du Dir bereits Vorlagen erarbeitet (Danke für Deine Frage nach einem Date mit mir. Allerdings ist mein Terminplan dermaßen eng so dass leider dafür keine Zeit bleibt. Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal.) Du meisterst locker und wortgewand wie immer die beiden Stunden am Tag, die dafür anfallen.

Eigentlich willst Du jetzt einen Post machen. Für das Foto hast Du einen passenden Hintergrund geschaffen. Nun kann es los gehen. Doch halt! Was war das? Ach so, der Postbote hat geklingelt. Er bringt wieder Warenproben und Produkte, die Du möglichst geschickt in deinen Posts einbauen sollst. Erst einmal auspacken, denn Neugier geht vor.

Ach so: der Post. Doch jetzt klingelt das Telefon. Es steht nicht still. Es hagelt Anfragen von Unternehmen auf allen Kanälen. Auch E-Mail und per Messenger. Du sollst deren Produkte posten. Gegen Cash versteht sich.

Dein Post und Foto sind gemacht. Schnell noch die Rechnungen für die letzten Aufträge schreiben, die Buchhaltung erledigen und an den Steuerberatertermin denken, denn die Steuererklärung steht schon lange an. Auf dem Weg zum Steuerbüro checkst Du Deine „Gefällt mir“-Angaben und Deine Mails. Nach dem Termin ist Dein Postfach fast übergelaufen. Du weißt dass schon wieder viel Arbeit auf Dich wartet. Damit das einfacher von der Hand geht, hast Du für Marketinganfragen Deine Mediadaten rechtssicher als pdf vorliegen. So kannst Du schnell reagieren. Eine halbe Stunde nach Versand erhältst Du einen Zuschlag. Nun gilt es den Ablaufplan des PR-Büros auf Tauglichkeit und Machbarkeit zu überprüfen. Das kannst Du intuitiv, denn über Dein Profil, und damit meine ich nicht die Daten, die Du z.B. bei Instagram hinterlegt hast, weißt Du selbstverständlich genau Bescheid. Du hast lange Stunden nachgedacht und festgelegt, was Du willst, wie Du Dich präsentierst, was Du niemals willst und wie Du dahin kommen kannst. Es läuft!

Plötzlich macht Dein Magen komische Geräusche. Ah: du hast noch keine Zeit gehabt, richtig zu essen. Schnell rein in die Pizzeria und einfach Pasta bestellt. Als das Essen serviert wird, erkennt Dich einer der Gäste und fragt nach einem Selfie. Da das Aufmerksamkeit erregt, gesellen sich noch weitere Restaurantbesucher dazu und wollen auch welche. Sie fragen übrigens erst nach dem Foto, wer Du bist! Du lächelst ständig, denn deine Follower gehen Dir über alles. Sie sind König und Kaiser zusammen. Deiner Pizza geht es währenddessen erbärmlich: Der Käse ist bereits hart geworden und die Salami wellig. Deine Pizza friert – sie ist kalt. Als Antwort gegen diese Stimmung hast Du jederzeit warme Worte für deine Fans auf Lager. Du beißt doch in die Pizza, aber es wird immer mehr im Mund. Du zahlt und wanderst nach Hause, E-Mails und Anfragen bearbeiten. Ach ja: Auf deinen Kontostand musst Du auch noch schauen, denn die letzten sieben Aufträge wurden noch nicht bezahlt obwohl sie überfällig sind. Das heißt: Statt Youtube-Video-Dreh Mahnungen schreiben. Selbstverständlich rechtssicher. Der Tag endet mit einem Schreiben vom Finanzamt in dem Dir mitgeteilt wird, dass Du die Spesen aus der Vorjahresreise nur prozentual anrechnen kannst, da Du sicherlich auch privates Vergnügen hattest. Der Tag ist vorbei. Du hast einen Post gemacht, die Follower danken es Dir mit zahlreichen Kommentaren und vielen Nachrichten. Doch Du hast einfach keine Lust mehr zu arbeiten sondern legst Dich todmüde ins Bett. Auf dem Kopfkissen liegt das Buch von Marie Luise Ritter.

Es sollte ab sofort zu Deiner Influencer-Bibel werden, denn Ritter zeigt Dir Auswege und Möglichkeiten. Du lernst wie Du mit Werbeagenturen umgehst, deine Selbständigkeit anmeldest und organisierst, wie Du Dich zur Marke aufbaust und vor allem wie Du deine Community organisierst und managst. Die Autorin schickt ihren Lesern die Botschaft, dass es machbar ist als Influencer erfolgreich zu sein. Auch heute noch. (Früher war es sicherlich leichter.) Voraussetzung dafür ist aber ein zielorientiertes Arbeiten, erweiterte Kenntnisse in medialen und rechtlichen Belangen sowie Räumlichkeiten, die als Handlungsort verwendbar sind. Verständnisvolle Lebensgefährten werden ebenso voraus gesetzt. Aber das ist bei jeder Selbständigkeit ein Must-Have. Sonst geht es schief.

Die zu investierenden €16,99 für Marie Luises Ritters Buch sind bestens angelegtes Geld. Die Informationen ermöglichen Step-by-Step eine Aktivität als Influencer aufzubauen. Aus Kostengründen empfiehlt die Autorin dies zuerst nebenberuflich. Am Anfang fließt ja noch kein Geld.

So wird man Influencer
Marie Luise Ritter
Redline Verlag GmbH
http://www.redline-verlag.de
ISBN 978-3-86881-714-0
€ 16,99

 

Nähmaschinenführerschein

Tolle Kurse in Theorie und Praxis: Nähen lernen mit hohem Spaßfaktor

„Häkeln entspannt aber Nähen ist nervig“, lautet das Statement meiner Kollegin Annabel. Der Faden würde gerade dann reißen, wenn die Kurve genäht wird, der Farbwechsel sei kompliziert… So lamentiert sie und beschwert sich den ganzen Tag statt einmal € 14,99 in ein Buch zu investieren, das ihr ganz sicher gute Laune machen wird.

Die Rede ist von der Publikation „Nähmaschinen Führerschein“ von Eva Neumann. Steigen Sie einfach bei mir ein: Ich nehme Sie mit auf die Tour durch dieses Sachbuch.
Aufgemacht in bester Fahrschulmanier finden wir uns Stück für Stück in die komplexe Materie ein.

Wir starten mit einem spannenden Ausflug in die Welt der Nähmaschinen und deren Funktionsteile. Vorgestellt werden in diesem Theorie-Level 1 die mechanische Nähmaschine Singer Talent 3323 sowie die computergesteuerte Pfaff ambition 1.0. Sämtliche Bestandteile, deren Sinn und Funktionsweisen erläutert Neumann bis ins Detail. Auch für Einsteiger sind diese Beschreibungen bestens nachzuvollziehen. Ob das tatsächlich stimmt wird im anschließenden Führerschein-Trainer überprüft. Fragen wie „Wozu dient der Fadengeber?“, „Was versteht man unter einem Anschiebetisch?“ oder „Welche Funktion hat die Nadelschraube?“ müssen beantwortet werden. Die Lösungen dieser Trainingseinheiten stehen auf Seite 144 weit hinten. Der eine oder andere Leser wird sich schon hier im Level 1 von 5 beim Vor- oder Zurückblättern ertappen. Ganz so einfach ist die Materie eben doch nicht. Sonst bräuchte niemand Bücher darüber zu schreiben. Stimmt’s?

Bevor wir das Diskutieren anfangen, geben wir anständig Gas und erreichen Level 2. Thema sind die Sicherheitsmaßnahmen, die beim Gebrauch von Technik unbedingt eingehalten werden müssen. Damit eine Nähmaschine sehr lange ihre Funktion erfüllen kann, muss sie wie jedes Stück Technik, auch sorgfältig und regelmäßig gewartet werde. Auch hier sind die Informationen umfassend und völlig ausreichend für Menschen, die Nähen und nicht Nähmaschinen bauen wollen. Auch hier wird das neu erarbeitete Wissen überprüft. Beispielsweise mit diesen Fragen: „Wie wird die Nähmaschinennadel richtig eingesetzt?“, „Was müssen Sie beim Abbau der Maschine beachten“ oder „“Wie sollte das Fußpedal platziert sein?“.

Nächster Halt: Level 3! Jetzt kommt die Praxis. Hier darf so richtig mitgemacht werden: Unterfaden aufspulen, Oberfaden einfädeln, Spule einlegen und Fadenspannung sind die Wissenselemente in diesem Kapitel. Alles wieder sorgfältig und minutiös erklärt und mit verständlichen Fotos dargestellt. Schritt-für-Schritt erfolgt hier die Einführung in das praktische Arbeiten. Fertig? Dann weiter zur Tankstelle!

„Kraftstoff“ heißt das Level 4. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt allerdings auf dem zweiten Teil des Wortes. Es geht dabei um die Herstellung von Stoffen aus Fasern, um Web- und Strickstoffe und um Natur- und Kunstfasern. Auf drei Seiten erfährt der Leser das Wichtigste zu diesen Themen. Mehr Infos kann ja jeder auf Nachfrage im Fachhandel erhalten. Zum Schluss dieses Levels erfahren wir, was die Verkehrsregel Rechts vor Links mit Stoffen und Nähen zu tun hat. Diese beiden Seiten des Stoffs spielen eine wichtige Rolle, wenn Ihr Produkt auch gut aussehen will. Die rechte Seite ist immer die, die man am Kleidungsstück sieht. Die linke ist innen. Ist der Stoff einseitig bedruckt, ist der Unterschied einfach zu erkennen. Ist er aber unifarben… Auch das wird sorgfältig geklärt. Auch in diesem Level gibt es eine kleine Prüfung, die Fragen werden allerdings schwieriger: „In welche Richtung eines Webstoffes verlaufen die Kettfäden?“, „Woraus wird Leinen hergestellt?“ oder beispielsweise „Woran kann man die rechte Seite eines Stoffes erkennen?“ Wer gut aufgepasst hat, der kann auch diese Fragen perfekt beantworten. Bevor wir wieder Gas geben, öffnen wir den Kofferraum und werfen einen prüfenden Blick in unseren Werkzeugkasten.

Genau so lautet die Überschrift von Level 5. Neben der Nähmaschine nach Wahl und Geldbeutel sind eine Menge Utensilien erforderlich um mit der Maschine kreativ zu arbeiten. Maßband, Handmaß, Stecknadeln, Stretchnadeln, Ledernadeln, Gewichte, Schnittmusterpapier, Handnähnadeln sowie Nähgarn in vielen Farben und Schreiderkreidestifte gehören unter anderem dazu. Sinn, Bedeutung und Verwendungszweck werden verständlich erklärt. Fotos zeigen, wie diese Werkzeuge aussehen. Wenn wir fertig sind mit Staunen, beginnen wir mit der Prüfung: „Welches Nähgarn kann für die meisten Näharbeiten verwendet werden?“, „Wie funktionieren Trickmarker?“ und „Was kennzeichnet eine Universalnadel?“ sind nur einige der Fragen am Ende dieses Levels. Wir blättern um und lesen das: „Glückwunsch! Den theoretischen Teil haben Sie nun gemeistert! Jetzt heißt es: Anschnallen und ab auf die Überholspur!“

Ab jetzt dürfen wir nicht nur Fäden aufspulen und durch die Oberfadenführung fummeln sondern endlich anfangen zu Nähen. Doch zuerst nur auf Papier. Gewissermaßen als Trockenübung. Die Autorin fordert uns Im Praxis-Level 1 auf Muster zu nähen, Wellen, Zick-Zack und natürlich auch möglichst gerade Linien. Was? Sie fragen nach dem Sinn? Übung, Übung und nochmals Übung! Außerdem: Besorgen Sie sich zehn kleine Papierkreise in unterschiedlichen Größen. Nähen Sie diese aneinander und schon haben Sie Ihr erstes kleines Nähprodukt geschafft: Ein geschenktaugliches Mobile ist gerade entstanden. Auch hier beendet ein Test das Praxis-Level 1.

In den weiteren Praxis-Level erlernen wir Papierzuschnitte für Schnittmuster herzustellen, erlernen Steppstich auf Stoff und schneidern unsere ersten Produkte. Wir lernen eine Wimpelkette zu nähen, ein paar „Kilometer“ weiter erschaffen wir eine Labtop-Tasche und am Ende sogar einen Einkaufsbeutel (Shopping-Bag).

Applizieren, Zick-Zack-Stich und Steppen und Säumen schaffen wir uns unterwegs drauf. Das Ziel ist in greifbarer Nähe. „Ja, wir haben schon ganz gut genäht“, nicken wir uns zu. Doch kurz vor dem Ziel steht Eva Neumann und hat für uns noch zwei Streckenprüfungen parat. Die heißen „Abschlussprüfung Theorie“ und „Abschlussprüfung Praxis“. Über die Theorie will ich keinen weiteren Worte verlieren: Wir können uns diesen Test sehr gut vorstellen. Nach einigen Minuten meistern wir ihn bravurös mit Null Fehlern. Doch was kommt dann? Verstehe, auf uns wartet die größte Herausforderung in unserem kurzen Schneiderleben. Sie heißt Freddy und ist eine 30cm-große drollige Figur, die z.B. als Kissen oder auch als Beifahrer auf langen Autofahrten verwendet werden kann. Alle Techniken dieses Buches kommen bei unserer letzten Freddy-Prüfung zum Einsatz.

Weil wir auch diese erfolgreich absolviert haben, muss Freddy für immer im Auto sitzen und wir erhalten zur Belohnung unter http://www.topp-kreativ.de/downloadcenter unsere Nähmaschinen-Führerschein-Urkunde als pdf zum Ausdrucken. Übungsvorlagen aus diesem Buch sind dort auch vorhanden. Im Impressum steht der Download-Code.

Wir haben Freddy, hatten unseren Spaß und beginnen unsere Nähmaschine zu lieben und zu verehren. Mit ihr können wir aus Material mit Kreativität und Können Schönes erschaffen. Eva Neumann versteht es mit diesem Buch auf motivierende Art und Weise
das neue Universum „Nähen mit der Nähmaschine“ für alle Leser zu erschließen. Fazit: Dieser Ausflug brachte Spaß und hat sich wirklich gelohnt.

Michael Felske

Nähmaschinen Führerschein
Eva Neumann
Frechverlag GmbH
http://www.topp-kreativ.de
ISBN 978-3-7724-6479-9
€ 14,99

 

Ideen mit der Strickgabel

Attraktiv für Anfänger und Fortgeschrittene: Kreative Strickmethode aus dem Altertum

Es muss nicht gleich ein kompliziertes Norwegermuster sein, wenn man mit Wolle kreativ sein möchte. Die Autorin Petra Böck nimmt die Leserinnen ihrer Broschüre mit auf die Reise hin zu einer wahrhaft historischen Methode Schickes aus Wolle zu zaubern. Früher, vor vielen tausend Jahren, wurde Seile hergestellt indem man Garn um zwei Finger gewickelt und dann zu Maschen verstrickt hat. Statt der Finger erfahren die Leserinnen von einer Strickgabel, die aus zwei Zinken und Griff mit Loch besteht. Mit diesem Hilfsmittel kann jeder, wirklich jeder auch ohne Vorerfahrungen schnell zu Ergebnissen kommen.

Auf den ersten Seiten erläutert eine einfach nachvollziehbare Anleitung mit didaktisch hervorragend gemachten Fotos den erforderlichen Ablauf Schritt-für Schritt: Garn durch die Öffnung im Griff ziehen, mit dem Daumen festhalten, in Form einer Acht um die Zinken legen, die entstandenen Schlingen nach innen heben – Anfangsfaden festziehen und schon sind die ersten beiden Maschen entstanden. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die dabei entstehende Strickschnur die für das jeweilige Projekt erforderliche Länge hat. Die Dicke der Schnur wird durch das beim „Stricken“ verwendete Garn bestimmt. Je dicker das Garn, desto größer der Durchmesser der Strickschnur. Das Prinzip Strickgabel erinnert Kenner der Materie sofort an die allseits bekannte Strickliesel. Auch hier geht es buchstäblich um die Entwicklung einer Schnur aus Garn, die kreativ weiter verarbeitet wird.

Die Broschüre hat ihren Schwerpunkt im Filzen der Strickschnüre aus 100% Schurwolle. Der Vorgang des Filzens wird kurz erläutert. Dann steigen die Leserinnen Leser sofort in die Materie ein. Petra Böck serviert mit 22 Beispielen, was aus ihrer Sicht mit den Schnüren alles so möglich ist. Es entstehen Sitzkissen, Taschen, Stifteköcher und Mäppchen, Gliederketten, Ohrring und Armband und auch zahlreiche Dekorationen für Haus und Garten. Kaum einem der dargestellten Objekte sieht man an, dass sie auf einfachste Weise entstanden sind. Besonders attraktiv dargestellt wird auch der Einsatz von mehreren verschiedenen Farben: Hier kann die Methode wirklich glänzen.

Was dem Rezensenten fehlt sind Möglichkeiten mit Strickschnüren auch ohne Filzen kreativ zu arbeiten. Machbar sind zum Beispiel Loops, die allerdings gleich mehrere Meter Schnur benötigen, die dann wie ein Schal um den Hals gewickelt werden.
Die Broschüre „Ideen mit der Strickgabel“ ist interessant für Strickanfänger, Fortgeschrittene, Kinder- und Jugendarbeit sowie für die Aktivierung von Senioren.
Mein Tipp: Kaufen und Losstricken!

Michael Felske

Ideen mit der Strickgabel – Kinderleicht stricken & was daraus entstehen kann
Verlag Pebola Petra Böck
http://www.pebola.de
ISBN 978-3-00-045362-5
30 Seiten
€ 7,95 (D); € 8,20 (A)